Das Reetdach

Natürliches Wohnen unter sanftem Dach - ist das Anliegen der Familie Lassen seit mindestens drei Generationen. Für Karl-Martin Lassen, der den Betrieb 1998 von seinem Vater übernahm, war schon während der Schulzeit klar, dass auch er Reetdachdecker werden und die alte Schreibweise "Reth" in der Firmenbezeichnung seines Opas fortführen wird.

Das Reetdachdeckerhandwerk gibt es seit 6000 Jahren an der Nord- und Ostsee. Es begann mit den ersten, noch gebrechlichen Hütten, die zum Schutz gegen Niederschlag, Wind und Sonneneinstrahlung mit Reet gedeckt wurden. Es gab damals und auch heute nichts Besseres. Das steile Reetdach hat das ländliche und landschaftsbezogene Bauen in Schleswig-Holstein geprägt und unzählige Generationen er- und überlebt.

Heute gilt zudem ein Haus mit einem Reetbau als Luxus und teuer. Umso mehr ist das Reetdachdeckerhandwerk froh, dass einige Fremdenverkehrsgemeinden auf den Nordfriesischen Inseln das Reetdach bei Neubauten vorschreiben und damit eine einzigartige Dorfatmosphäre geschaffen haben.

Gutbetuchte Großstadtbürger genießen unheimlich den Urlaub in einem schmucken Haus unter Reetdach. Für sie ist es eine Oase der Ruhe und Romantik.

Bevor die Gesellen mit ihrer Arbeit beginnen, muss das Reet herbeigeschafft werden. Etwa 50% der jährlich verarbeiteten Menge wird bei uns im Gotteskoogsee oder im Hauke-Haien-Koog am liebsten bei blankem Eis geschnitten. Dann wird der frische Schnitt getrocknet, gereinigt, gehechelt und in Bunde zusammengebunden und damit transportfähig gemacht; alles in Handarbeit.

Die zweite Hälfte stammte bis vor kurzem vom Plattensee aus Ungarn. Neuerdings importiert Karl-Martin Lassen auch Reet aus Rumänien. Er hat sich vor einigen Wochen vor Ort angesehen, wie in unvorstellbar mühevoller Arbeit im Donaudelta das Reet geerntet wird.

Wenn's irgendwie geht, wird das Reet direkt zum Neubau oder "Umdecker" vom Lieferanten transportiert und dann beginnt die Arbeit im Morgengrauen.

Reetdachdeckerei ist eine Handwerkskunst, die auch vor 100 Jahren nicht anders aussah als heute. Die Handfertigkeit bestimmt den Erfolg - also die geschafften Quadratmeter. Aber, und jetzt kommt das Entscheidende für Karl-Martin Lassen: Die Qualität der Arbeit muss hochwertig sein ohne jegliche Mängel.

Diese Kurzformel hat er zu seinem Geschäftsgrundsatz verinnerlicht und lebt es seinen Mitarbeitern ständig vor.

Zu anspruchsvoll ist der heutige Kunde - besonders auf Sylt - schließlich beherbergt der Hausherr später auch anspruchsvolle und gut betuchte Gäste aus ganz Deutschland.

Über die Sylter Kundschaft kommt es gelegentlich vor, dass auch in Nordrhein-Westfalen oder in einem anderen Bundesland ein Bauherr unbedingt ein Reetdach haben will. Natürlich werden auch solche Aufträge gerne angenommen und ausgeführt.

Selbstverständlich hat Karl-Martin Lassen nicht nur Kundschaft auf Sylt, sondern auch auf dem Festland, die den Betrieb Lassen seit Generationen kennen und immer wieder aufs Neue anfordern. Vertrauen und Zuverlässigkeit zahlen sich aus und schaffen solide Kundenbeziehungen.

Hierzu tragen auch die sieben Stammkräfte bei, die alle über 10 Jahre im Betrieb arbeiten. Sie stammen aus anderen Handwerksberufen, wurden vom Chef eingearbeitet und zu einem starken Team verbindet sie die Liebe zum Verarbeiten von Reet. Reetdachdecker sind keine Jobber, sondern Reetdachdecker aus Berufung.

Für junge Leute, die vielleicht Lust auf diesen uralten Handwerksberuf haben, können eine umfassende Lehre zum Dachdecker mit Fachrichtung "Reetdachdecker" antreten. Nähere Auskünfte hierzu erteilt die Geschäftsstelle der Reetdachdeckerinnung bei der Kreishandwerkerschaft Husum, Telefon Nr. 04841-8938-0.